Komische Sachen…

Von Martin Weiss am 22. Oktober 2010

Es geht mir schon seit Tagen durch den Kopf: was treibt Arbeitgeber heute dazu, dass sie ihren Beschäftigten Angebote machen zur Einführung von Schichtsystemen mit 12h-Schichten?? Sicherlich ist es richtig, dass Schichtarbeit grundsätzlich nicht gesundheitsförderlich ist, aber „Monsterschichten“ von über 8 Stunden sind schon tagsüber ausgesprochen bedenklich und wenn dann auch nachts lange gearbeitet wird… Ziel von Gestaltung von Schichtarbeit muß doch sein, dass die in den Systemen Arbeitenden an ihren Arbeitsplätzen alt werden können. Sie müssen es nämlich werden, denn das Risiko, dass man bis zum 67 Lebensjahr arbeiten muß, um sich seine Rente leisten zu können, wächst immer weiter.

Also muss doch das Ziel sein, dass Systeme gefunden werden, die die Belastungen so weit wie eben möglich reduzieren. Hierzu gibt es nun einmal schon „alte“, aber immer noch gültige arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen, die wir auch immer wieder in die Öffentlichkeit tragen und vertreten:

  • Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten sollte möglichst gering sein.
  • Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase folgen. Sie sollte auf keinen Fall weniger als 24 Stunden betragen.
  • Geblockte Wochenendfreizeiten sind besser als einzelne freie Tage am Wochenende.
  • Schichtarbeiter sollten möglichst mehr freie Tage im Jahr haben als Tagarbeiter.
  • Ungünstige Schichtfolgen sollten vermieden werden, d. h. immer vorwärts rotieren.
  • Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen.
  • Die Nachtschicht sollte möglichst früh enden.
  • Zugunsten individueller Vorlieben sollte auf starre Anfangszeiten verzichtet werden.
  • Die Massierung von Arbeitstagen oder Arbeitszeiten auf einen Tag sollte begrenzt werden.
  • Schichtpläne sollen vorhersagbar und überschaubar sein.

> Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA)

Wir gehen sogar weiter in unseren Empfehlungen, insbesondere deshalb, weil wir betriebliche Realitäten kennen, die klar gegen längere Schichtzeiten sprechen:

  • Vor jedes Schichtsystem gehört eine fundierte Diskussion über den Personalbedarf und vor allem eine Schwankungsreserve in der Berechnung, die auch mal Krankheit und Urlaub gemeinsam zulässt!
  • Keine Schichtdauern, die über 8 Stunden maximal hinausgehen. Eher darf man gemeinsam über kürzere Zeiten nachdenken!
  • Wenn schon zugunsten von freien Wochenenden es an eben solchen zu 12h-Schichten kommen soll, dann muss gewährleistet sein, dass den Ansprüchen des Arbeitszeitgesetzes Genüge getan wird! D.h., dass während der 12h-Schicht in erheblichem Umfang Bereitschaft integriert sein muß.
  • 12h-Schichten dürfen also nicht monoton, nicht zu belastend, nicht maschinengetaktet, mit ausreichend Pausen versehen, ohne Überstunden und und und sein… mit anderen Worten: seitdem immer weniger Personal auf den Schichten ist, gibt es realistisch kaum noch einen Arbeitsplatz der den hohen Anforderungen genügen kann.

Aus diesem Grunde sprechen wir uns klar gegen überlange Schichten und für alternsgerechte Schichtzeiten aus! Und wer noch wissenschaftliche Begründungen sucht, der schaue sich bitte unsere Beiträge auf der Demografietagung und den Beitrag von Prof. Fischer zu dem Thema an.



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