Jubiläum: 20 Jahren Mitbestimmung in der Braunkohle

Von Dirk Kirchberg am 1. November 2010

Die Monate des Aufbruchs im Jahr 1990 standen im Mittelpunkt der Festveranstaltung „20 Jahre Mitbestimmung in der Braunkohle“. Rund 200 aktive und ehemalige Betriebsräte trafen sich Ende Oktober im Barbarasaal der Cottbuser Vattenfall-Verwaltung, um das Wende-Jubiläum zu feiern und sich an die bewegten Monate der Neuordnung die folgenden, nicht immer leichten Jahre zu erinnern.

Eben dieses Engagement würdigte der Arbeitsdirektor von Vattenfall Europe Mining & Generation, Michael von Bronk, in seinem Grußwort: „Die Mitbestimmung ist vor allem dann unverzichtbar, wenn Unternehmen vor großen Herausforderungen stehen. Hierzu zählen insbesondere die nach der Wende unvermeidbaren Umstrukturierungsmaßnahmen. Ohne die stets konstruktive Begleitung des Prozesses durch die Betriebsräte wäre der letztlich erfolgreiche Umbau der Lausitzer Braunkohlenwirtschaft nicht denkbar gewesen.“

Am Anfang des Weges stand eine große Herausforderung: Ab der Jahresmitte 1990 galt es, binnen weniger Monate in allen Betrieben der Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG) und der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) Betriebsratswahlen zu organisieren. Rund 75.000 Beschäftigte der Lausitzer Braunkohle waren aufgerufen, in geheimer und freier Wahl ihre künftigen Betriebsräte zu wählen und damit den eingeschlagenen Weg der Erneuerung der Mitbestimmung zu manifestieren.

„Die neuen Strukturen erlaubten einen grundlegenden, auch personellen Umbau der Mitbestimmung. Waren die Gewerkschaftsfunktionäre zuvor vor allem der Parteilinie verpflichtet, ist es heute zentrale Aufgabe der Betriebsräte, die Rechte und Interessen der Beschäftigten zu vertreten. Und wir alle sind stolz, diese verantwortungsvolle Aufgabe seit nunmehr 20 Jahren wahrzunehmen“, fasste der langjährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Vattenfall Europe Mining AG, Helmut Franz, den Paradigmenwechsel zusammen.

Die mit dem Wandel verbundene Aufbruchstimmung brachte das ambitionierte Vorhaben zum Erfolg: Binnen weniger Monate wählten die Kumpel aus ihren Reihen rund 750 Kollegen zu Betriebsräten. Die wiederum besetzten 50 Betriebsratsgremien. Der Zeitdruck war groß, denn bereits im Herbst 1990 mussten die Arbeitnehmervertreter in die Aufsichtsratsgremien von ESPAG und LAUBAG entsendet werden.

Und bereits im Januar 1991 formierten sich die Gesamtbetriebsräte der beiden Unternehmen. Zeitgleich zur Wahl der Betriebsräte stellten sich auch die Gewerkschaften als Rückgrat der Mitbestimmungsarbeit in den Betrieben neu auf. Zwar hatte es bereits vor der Wende eine Industriegewerkschaft (IG) Bergbau-Energie gegeben, doch mussten mit der Wende und dem Übergang in die damalige gesamtdeutsche IG Bergbau und Energie gänzlich neue Strukturen aufgebaut werden.

„Dem Mut und dem großen Einsatz der Menschen hier in der Lausitz ist es zu verdanken, dass die Lausitzer Braunkohle heute ihren festen Platz im deutschen Energiemix hat. Angesichts der Erfahrungen aus der Wendezeit bin ich überzeugt, dass das Engagement der Menschen der Region zusammen mit der stabilen Wertschöpfung aus der heimischen Braunkohle auch auf lange Sicht eine Perspektive geben wird“, resümierte Ulrich Freese, stellvertretender Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie.



Einen Kommentar schreiben

Bei moderierten Blogs erscheint der Kommentar erst nach der Freigabe durch den Moderator.