EDV-Tage 2009: SAP im Einsatz

Edeltraud Gänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE, Foto: CintulaBeim Softwareeinsatz die Mitbestimmungsmöglichkeiten nutzen

Die Weiterentwicklung der Unternehmenssoftware SAP und Erfahrungsberichte von Betriebsräten mit dieser ERP-Anwendung standen im Mittelpunkt der EDV-Tage 2009 im Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrum der IG BCE in Bad Münder. Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden IG BCE-Hauptvorstand setzte sich bei dieser Gelegenheit vor den rund 70 Teilnehmern zudem mit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise auseinander.

„Die soziale Marktwirtschaft braucht ethisches Handeln. Das zeigt sich in der gegenwärtigen Situation“, betonte das Hauptvorstandsmitglied. Sie forderte ein Umdenken in den Vorstandsetagen: „Beschäftigung sichern, statt simpler Kostensenkungsprogramme, Entlassungen und Sozialabbau. So muss jetzt der Schwerpunkt gesetzt werden.“ Gewerkschaft und Betriebsräte sollten sich für ein gleichberechtigtes, soziales Innovationsmanagement einsetzen und das gestiegene Verständnis „für den virtuellen Raum nutzen. Es geht darum, Kompetenzen aufzubauen, Impulse für mehr Akzeptanz zu setzen und die informationelle Selbstbestimmung zu stärken“, so Glänzer weiter. 

Über ihre Erfahrungen mit der ERP-Software SAP berichteten am ersten Tagungstag Betriebsräte von Beiersdorf Shared Services (Hamburg), Evonik Steag (Essen), Lanxess (Leverkusen), Mainsite Service (Erlenbach). ERP (Enterprise Resource Planning) bezeichnet eine Software, die Unternehmensabläufe vom Materialeinkauf über Produktionssteuerung bis hin zur Personalverwaltung steuert.

Zuvor hatte Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Physiker und Technikphilosoph an der Brandenburgischen technischen Universität Cottbus, Thesen für die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit elektronischem Wissen entwickelt. Er warnte davor, Information mit Wissen gleichzusetzen: „Wir werden mit Informationen überflutet, doch erst Bewertung und Reflexion führen zum gesicherten Wissen.“

Breiten Raum nahmen die Mitwirkungsmöglichkeiten und Einflussnahmen der Betriebsräte  als betriebliche Interessenvertretung beim Einsatz von EDV-Systemen ein. Dr. Bernd Groeger und Torsten Schulz von der Technologieberatungsstelle Nordrhein-Westfalen des DGB diskutierten dies am Beispiel der neuen Entwicklungstrends der SAP-Software. Dabei gehe es nicht mehr um reine Unternehmensinterne Prozesse. Inzwischen würden auch Bereiche bei Zulieferern und Kunden mit SAP vernetzt. Groeger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise Sinn mache, Kurzarbeit für Qualifikationsmaßnahmen zu nutzen.

Die Doppelfunktion des SAP-Benutzers als Anwender einerseits sowie Tester und Weiterentwickler andererseits schilderten Prof . Dr. Jochen Prümper von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (Berlin) und Dr. Florian Theißing vom Berliner Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie. Ziel sei, eine hohe Nutzerfreundlichkeit  zu erreichen. Dadurch würden nachweisbar und nachhaltig erheblich Kosten gespart. Die gezielte Schulung der Anwender sei ein Schritt dorthin.

Der Arbeitnehmerdatenschutz muss dringend gesetzlich geregelt werden. Dies betonte Friedrich-Karl Matten, leitender Mitarbeiter des Bundesbeauftragen für Datenschutz, zum Abschluss der EDV-Tage. Als besonders sensible Bereiche nannte Matten unter anderem den Umgang mit Gesundheitsdaten der Beschäftigten sowie die Videoüberwachung. Wichtig sei, dass Betriebsräte in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften auf den Abschluss von Betriebsvereinbarungen drängen.
(Heinrich Kronlage)

EDV-Tage 2009: Fotogalerie

Link:
www.bundesdatenschutzbeauftragter.de

Downloads:
Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE
Innovation durch Informations- und Kommunikationstechnologien – Gestaltungsauftrag für die IG BCE (PDF)

Friedrich-Karl Matten, Der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Ref. III Sozialwesen, Mitarbeiterdatenschutz, Bonn
Gesetzlich geregelter Arbeitnehmerdatenschutz – dringender denn je (PDF)

Dr. Bernd Groeger, TBS NRW
Handlungsfelder beim Einsatz von SAP für die betriebliche Interessenvertretung (PDF)

Hans Jürgen Bussow, BDF Beiersdorf
Warum kompliziert, wenn es einfach geht? Betriebsvereinbarungen und SAP Systeme, Erfahrungen des Betriebsrates (PDF)

Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Lehrstuhl für Technikphilosophie
Perspektiven der Informationsgesellschaft - Gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit elektronischem Wissen (PDF)

Torsten Schulz, TBS NRW e.V.
Neue Trends: Enterprise Resource Planning (ERP) – Systeme am Beispiel von SAP (PDF)

Prof. Dr. Jochen Prümper (Dipl. Psych.), Dr. Florian Theißing (Dipl. Inform.), Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie GmbH
SAP am Arbeitsplatz: Wo bleibt der User? Usability Management bei SAP-Projekten (PDF)
Literatur: Usability Management bei SAP (PDF)

Helmut Haeusgen, Evonik Steag GmbH
SAP im Einsatz (PDF)